Logo der Universität Wien

Fachbereichsarbeit

Mag. Franz Lux

Die Fachbereichsarbeit als besondere Form der Reifeprüfung an AHS im Sinne einer freiwilligen Vorprüfung ist im Schulunterrichtsgesetz §§ 34 - 41 und in der Verordnung über die Reifeprüfung in der allgemeinbildenden höheren Schule festgelegt.

 

Ziel des Abfassens einer Fachbereichsarbeit ist, in der Durchführung einer angemessenen Themenstellung zu zeigen, dass der Schüler befähigt ist

 

1) zum schwerpunktartigen Erfassen von Sachverhalten und Problemen in ihrer Vielschichtigkeit, ihren Ursachen, Zusammenhängen und Folgen sowie zum Erkennen ihrer Verbindungen mit anderen Sachverhalten und Problembereichen,

2) zur exakten Beobachtung und Wahrnehmung,

3) zu logischem und kritischem Denken, klarer Begriffsbildung, sinnvoller Fragestellung, kontrollierter Abstraktion und Verallgemeinerung sowie zu sachgerechten Urteilen und Einstellungen,

4) zu differenziertem schriftlichem Ausdrucksvermögen sowie zu Darstellungsformen, die zur Beschreibung und zur Begründungkonkreter wie abstrakter Sach- und Denkverhalte erforderlich sind,

5) zum Aufsuchen angemessener Informationsquellen und ihrer sachgerechten Nutzung, zum Auswählen von Informationen, zum intentionsgerechten Argumentieren und zum Erkennen von Manipulationen,

6) zum Anwenden von grundlegenden Lern- und Arbeitstechniken sowie - zumindest in Ansätzen - von Einsichten in grundlegende wissenschaftliche Verfahrensweisen und Denkvorstellungen

7) und zum systematischen und planvollen Arbeiten mit angemessener Zeiteinteilung.

Die obigen Zeilen sind zitiert aus einer Empfehlung der Schulbehörde für die LehrerInnen, die eine Fachbereichsarbeit betreuen.

 

Die Fachbereichsarbeit hat sich in den Jahren seit ihrer Einführung im Jahre 1993 zu einer sehr beliebten Form der Matura entwickelt. Da sich Kandidaten durch eine FBA eine schriftliche Klausurarbeit ersparen, ist auch der nötige Anreiz geschaffen, sich diese Arbeit anzutun. Besonders beliebt scheint eine FBA im Fach Geschichte und Sozialkunde zu sein. Woran mag das liegen?

Einerseits bietet das Fach natürlich ein riesengroßes Angebot an Themen. Beinahe jeder Schüler einer achten Klasse kann, auch wenn er keine FBA schreibt, einige Themen nennen, zu denen er genügend Wissen und Material auftreiben könnte, um eine solche Arbeit schreiben zu können.

Andererseits ist die Beschäftigung mit historischen Themen sehr abwechslungsreich. Verschiedenartige Quellen, unterschiedliche Perspektiven und sehr oft ein persönlicher Bezug zum Thema machen FBA´s in Geschichte zu äußerst interessanten Unternehmungen.

Aus der Sicht der Fachdidaktik für Geschichte, Sozialkunde und politische Bildung mag die FBA ein eher unwichtiges Thema sein. Gerade deswegen scheint es wichtig zu sein, ganz spezielle Probleme der Betreuung von FBA´s zu erwähnen.

Im Gegensatz zu dem Lehrer-Schüler-Verhältnis im regulären Geschichtsunterricht tritt während der Betreuungsphase ein eher kollegiales Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler auf. Zum einen geht man gemeinsam auf Quellensuche, zum anderen kann es passieren, dass ein wohl vorbereiteter Schüler zu einem Thema weit mehr weiß als der betreuende Lehrer. Insgesamt kann man nach jahrelanger Erfahrung mit Fachbereichsarbeiten in Geschichte einige grundlegende Aufgaben für den betreuenden Lehrer zusammenfassen:
 

1) Gerade wenn ein Kandidat besonders viel zu einem Thema weiß (sei es, will er sehr viel Literatur gelesen hat, sei es, weil das Thema auch von persönlicher Bedeutung ist), muss der betreuende Lehrer strukturierend und ordnend eingreifen, Wichtiges von Unwichtigem trennen, die Grobdisposition immer im Auge behalten.

2) Die vereinbarte Zeitstruktur wird von den Kandidaten immer wieder vernachlässigt. Gerade der erfahrene Lehrer muss die einzelnen Arbeitsschritte koordinieren und im Notfall eingreifen. Beispielsweise fällt es Kandidaten häufig schwer, die Materialsuche zu beenden. Je größer der Fundus von Quellen und Materialien wird, desto faszinierter ist der Schüler von den neuen Möglichkeiten.

3) Da die FBA auch als Vorstufe zu universitären Arbeitsformen wie Seminararbeiten gedacht ist, muss man immer wieder darauf hinweisen, dass es sich bei einer FBA eben nicht um eine Dissertation handelt, dass Quantität kein Qualitätskriterium sein muss.

4) Bereits am Beginn der gemeinsamen Arbeit muss auf den inhaltlichen Umfang des Themas geachtet werden. Da die Kandidaten meist wenig Ahnung vom Umfang der Quellen-, Material - und Literaturlage haben, wählen sie im Regelfall ein viel zu umfangreiches Thema. Hier muss der Betreuungslehrer recht radikal Einspruch erheben und die Themenstellung entsprechend mit dem Kandidaten absprechen. Themen wie „ Die Hexenverfolgungen“ oder „Widerstand im Dritten Reich“ sind bereits zu weit gegriffen. Die Untersuchung der Biografie einer „Hexe“ oder ein Aspekt des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime ergeben genug Stoff für eine FBA.

5) In den Jahren seit der Einführung der FBA haben sich natürlich besonders beliebte Themenkreise ergeben. Es wird in Zukunft vermutlich immer wichtiger werden, neue Themenkreise zu erschließen. Besonders fruchtbringend hat es sich erwiesen, wenn der Kandidat ein Thema wählt, das seinem subjektiven Erfahrungshorizont entspricht. Je mehr Kandidaten auch eine gewisse persönlich-biografische Nähe zum Thema haben, um so vielfältiger wird die ohnehin farbenreiche Palette der Fachbereichsarbeiten aus Geschichte.

Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung
Universität Wien

Berggasse 7
1090 Wien
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0