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Feed back

Mag. Irene Ecker

Der Begriff "Feed-back" ist heute immer wieder und in unterschiedlichsten Organisationen und Zusammenhängen im Gespräch. Erfolg in Organisationen ohne Feed-back  ist kaum möglich, seien es jetzt profitorientierte Unternehmen oder Organisationen aus dem non-profit-Bereich.

Feed-back bedeutet Rückkopplung und kommt eigentlich aus dem Bereich der Kybernetik. Für Apparate soll durch Rückmeldung eines Ist-Wertes der Vergleich zum Soll-Wert ermöglicht werden.

In der Sozialpsychologie wird der Ausdruck vor allem in der Gruppendynamik verwendet, er stellt die persönliche, unmittelbare Reaktion eines Gruppenmitglieds auf ein anderes dar.

Aber Feed-back hat eben auch in der Schule Einzug gehalten und ist ein wichtiges Mittel, zu überprüfen wie weit Fremd- und Selbstwahrnehmung auseinanderklaffen.

Regelmäßige Rückmeldungen  können zur Qualitätssteigerung des Unterrichts führen.

 

Wie sollte Feed-back sein?

 

Feed-back ist die Wiedergabe einer persönlichen Beobachtung, die eine Person auf Grund ihrer Erfahrungen, Haltungen und Werte gemacht hat. Es sagt also auch immer etwas über den Beobachter aus. Es soll sein

 

Beschreibend: Eine sachliche Beschreibung von Beobachtetem, keine Bewertungen und Interpretationen, diese können Ablehnung hervorrufen. Auch Beschreibungen können für den , der das Feed-back erhält, sehr viel aussagen, vor allem wenn diese Beobachtungen gehäuft, also von mehreren, geäußert werden.

 

Konkret: Die Aussagen sollen sich auf das beobachtete Verhalten beziehen, keine allgemeinen, diffusen Floskeln enthalten. Für die Schule bedeutet das, dass zwischen Feed-backgeber und -nehmer konkrete Beobachtungsaufgaben ausgemacht werden sollten.

 

Angemessen: Ehrlich, aber taktvoll. Es soll berücksichtigt werden, wie viel der Empfänger verarbeiten kann. Daher muss auch immer die Situation, in der Feed-back gegeben wird, berücksichtigt werden.

 

Brauchbar: Es soll sich auf ein Verhalten beziehen, das die Person auch tatsächlich verändern kann.

 

Vereinbart: Feed-back sollte von beiden Seiten erwünscht und freiwillig sein. Wenn ein Lehrer z. B. von den Schülern Feed-back will, sollte er zuerst in einem Gespräch klären, ob das für alle erwünscht und einsichtig ist. Wenn er echtes Feed-back will, und nicht nur hören, wie gut er ist, sind die Schüler sehr schnell bereit dazu, weil das ja für sie auch einiges klären kann.

 

Zur rechten Zeit: Man sollte sich Zeit dafür nehmen, Feed-back nicht zwischen Tür und Angel in zwei Minuten geben, es sollte aber möglichst unmittelbar nach der beobachteten Aktion stattfinden.

 

Positive Grundhaltung ist Voraussetzung, Feed-back sollte ressourcenorientiert sein, also v. a. auf die Stärken  schauen, aber schon auch nicht übersehbare Schwächen rückmelden.  

 

Feed- back aufnehmen

 

Feed-back kann natürlich zu Irritationen führen und es kann eine Zeit dauern, bis der Angesprochene es verarbeitet hat. Wichtig ist immer zu erkennen, dass Feed-back subjektiv ist und dass man nicht jedes Feed-back annehmen muss.

Man sollte aufmersam zuhören, eventuell klärend nachfragen, das Gehörte in Ruhe verarbeiten und sich nicht verteidigen.

Auch bei schriftlichen Feed-backformen sollte es  die Möglichkeit zum Nachfragen geben.

 

Feed back in der Schule

 

Unterrichten ist eine sehr komplexe Situation. Genaues Beobachten und Feed-backgeben kann für den Lehrer also sehr hilfreich in dieser Situation sein. Das gegenseitige Feed-backgeben unter Kollegen, zu denen eine Vertrauensbasis vorhanden ist, sollte heute in Österreichs Schulen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. In der Realität kommt es leider nicht sehr häufig vor. Im Schul- und Unterrichtspraktikum gehört es allerdings zur Ausbildung dazu.

Feed -back durch die Schüler, die ja die eigentlichen Klienten sind, sollte ebenfalls immer wieder stattfinden, nur so ist sinnvolle Rückkopplung möglich, Missverständnisse können geklärt werden. Die Fähigkeit Prozesse gezielt zu beobachten und zu beschreiben steigt natürlich mit zunehmender Reife der Schüler. Ein Oberstufenschüler sollte Unterrichtsphasen erkennen können und eingesetzte Methoden analysieren können. Schüler sollen auch angeleitet werden ihren Mitschülern Feed-Back zu geben. Diese Fähigkeit wirkt auch wieder zurück auf die Unterrichtsqualität.

Weil der Lehrer aber letztendlich Schüler auch immer beurteilen muss, ist es besser,  wenn das  Feed-back für den Lehrer zunächst schriftlich und anonym ist. In einem anschließenden Gespräch ist es eventuell möglich offene Fragen und Unklarheiten zu besprechen. 

Ein Beispiel für Feed-back

 

Tue mehr

Tue weniger

Behalte bei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exemplarische Fragestellungen zur Unterrichtsbeobachtung

 

·         Inhaltlich-stoffliche Gesichtspunkte

Stoffauswahl?

Schwerpunkte?

Eingangsvoraussetzungen?

Arbeitsmaterial? Querverbindungen zu anderen Stoffgebieten?

 

·         didaktisch-methodische Gesichtspunkte

Unterrichtsziele?

Aufbau der Unterrichtseinheit?

Motivation zur Mitarbeit?

Schwierigkeitsgrad angemessen?

Lernaktivitäten?

Sozialformen?

Lehrmittel?

Anschaulichkeit?

Fertigkeiten antrainiert?

Lernertrag? Wie abgesichert?

 

·         Interaktion zwischen Lehrern und Schülern

Art der Kooperation?

Umgangston?

Körpersprache, Gestik, Mimik, Lautstärke, Sprachmuster?

Reaktionen bei Unterrichtsstörungen?

Umgangston in der Klasse?

Atmosphäre im Klassenzimmer?

Missverständnisse im Umgang miteinander?

Anreden der Schüler?

Und vieles mehr

 

Methoden der Unterrichtsbeobachtung

 

·         Quantitative Methoden

Wie oft schaut der Lehrer welche Schüler an?

Wie viel spricht der Lehrer im Unterricht, wie viel Redezeit haben die Schüler?

Wie viel Zeit verwendet der Unterrichtende für welche Methoden?

 

·         Qualitative Methoden

Hier geht es vor Allem um die Lehrer-Schülerbeziehung.

Beobachtungen beziehen sich vorrangig auf die nonverbale Kommunikation und die Körpersprache

 

·         Kontextbezogene Unterrichtsbeobachtungen

Hier wird der Prozess beobachtet. Welche Aktion des Lehrers bewirkt welche Reaktion des Schülers? Es geht darum zu erkennen, was fördernd und was hinderlich ist beim Unterrichten und Lernen.

 

Die zuletzt genannten Beobachtungsaufgaben sind sicherlich die schwierigsten, aber hier bringt ein Feed-back dem Lehrenden den meisten Ertrag für den Unterrichtsprozess.

 

Literatur

 

Berger/Hämmerle (1997) Unterrichtsbeobachtung. Exemplarische Fragestellung. Wien

Moser-Heindl Wanda (1999) Unterlagen zum Seminar „Systemisches Coaching“, Wien

Seifert, Josef W. (1999) Moderation& Kommunikation, Offenbach

Schmidbauer, Wolfgang (1995) Psychologie, Lexikon der Grundbegriffe, Hamburg

Diem-Wille Gertraud (1999) Unterrichtsbeobachtung als Lernprozess, in: Schulinnovationen Nr. 15, Innsbruck, Klagenfurt und Wien

Salzberger-Wittenberg (1998) Die Pädagogik der Gefühle, Emotionale Erfahrung beim Lernen und Lehren, Wien

Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung
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