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Leistungsfeststellung

Mag. Christa Donnermair

 

Die Leistungsfeststellung und ihre Formen müssen in den gesamten Planungsprozess integriert sein. Es geht also nicht, dass man zuerst unterrichtet, und sich sozusagen erst im Nachhinein, gegen Ende des Semesters überlegt, wie man zu den Noten kommt. Es muss eine Entsprechung in Inhalt und Form zwischen dem Unterrichtsverlauf und seinen Inhalten und der Leistungsbeurteilung geben.

Für beides gilt das Prinzip der Transparenz. Lehrziele und Kriterien der Leistungsfeststellung müssen zu Beginn der gemeinsamen Arbeit kommuniziert, oder besser noch gemeinsam festgelegt werden.

Ist für mich als LehrerIn die Mitarbeit der SchülerInnen das wichtigste Kriterium, dann muss ich a) erklären, was ich alles zur Mitarbeit zähle und b) Lernsituationen schaffen, in denen sich die gewünschten Formen der Mitarbeit realisieren können. Gleichzeitig muss ich für mich klären, wie ich die Mitarbeit der SchülerInnen beobachten und aufzeichnen werde.

Leistungsfeststellung ist natürlich auch ein Thema für die Eltern. In manchen Schulen müssen sie von den LehrerInnen verbindlich zu Beginn des Schuljahres über Form und Kriterien der Leistungsfeststellung informiert werden. Rechtlich haben die Erziehungsberechtigten die Möglichkeit, gegen ein „Nicht genügend“ am Ende des Schuljahres Berufung einzulegen, da sich daraus negative rechtliche Folgen für ihr Kind (nicht Aufsteigen in die nächste Schulstufe) ergeben können. In einem solchen Falle muss die Lehrperson anhand der gemachten Aufzeichnungen dokumentieren können, wie es zu der negativen Beurteilung gekommen ist.

In Österreich sieht das Gesetz mehrere Möglichkeiten der Leistungsfeststellung im Fach GSP (bzw. ähnlicher Fächer im Bereich der BHS) vor. Sie unterscheiden sich in Dauer und Umfang je nach Alter und Schultyp, umfassen Mitarbeit, Stundenwiederholungen, mündliche Prüfungen, schriftliche Tests. Nicht erlaubt hingegen ist das Abfassen schriftlicher Arbeiten (ähnlich der „Schularbeiten“)in der Unterrichtszeit, wie dies in anderen europäischen Ländern üblich ist . (essay writing in Britannien, dissertation historique in Frankreich).

Bei der Wahl der Form der Leistungsfeststellung sollte man wiederum die unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten der SchülerInnen bedenken. Dazu kommen auch noch die unterschiedlichen Lernbedingungen, die sie zuhause vorfinden (Zugang zum Internet, gefüllte Bibliotheksschränke, etc.) Angesichts dieser Unterschiede hat man in den letzten Jahren versucht, Modelle der „inneren Differenzierung“ zu entwickeln. Dabei werden individuelle Leistungsraster erarbeitet, die eine der Schülerpersönlichkeit entsprechende Förderung und Forderung darstellen.

Letztendlich führt auch die Leistungsfeststellung immer wieder zurück zur Schlüsselfrage: Was will ich ( im Rahmen des Lehrplans und der Allgemeinen Bildungsaufgaben ) mit meinem Unterricht? Welche Ziele verfolge ich mit welchen Inhalten und Methoden? Und wie kann ich die damit verbundenen Leistungen seitens der SchülerInnen überprüfen?

Dies ist eine verantwortungsvolle Entscheidung. Noch obliegt sie in Österreich der jeweiligen Lehrperson, die „ihre“ SchülerInnen oft acht Jahre lang begleitet und kennt. In letzter Zeit ist aber auch immer öfter davon die Rede, ob nicht standardisierte Tests eingeführt werden sollten, um einem standortunabhängigem Leistungsniveau näher zu kommen. Sollte dies Wirklichkeit werden, stellen sich neue Fragen.

Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung
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